Feminismus

Islam und Emanzipation - Passt das zusammen?

Islam und Emanzipation - Passt das zusammen?

Logo des Projekts Islam im Saarland Forschungs- und Transferstelle Gesellschaftliche Integration und Migration (GIM) Projekt Islam im Saarland

Karin Meißner von der Forschungs- und Transferstelle Gesellschaftliche Integration und Migration (GIM), Saarbrücken, hat Orientalistik studiert und ist überzeugte Feministin.

Sie war Gast bei den ver.di Frauen Rheinland-Pfalz-Saarland, um über Emanzipation und die Rolle des Islam in unserer Gesell­schaft zu diskutieren:

Sie fragt uns: Was assoziieren Sie mit Islam? Darauf folgen Antworten wie:  Instrumentalisierung von Religion, Kopftuchdebatte, Sharia, das Recht des Mannes mehrere Frauen zu haben, Koran, Vorurteile,....

Die anschließende Diskussion macht deutlich, dass muslimische Lebenswelten in Deutschland ziemlich vielfältig sind und wenig mit vorherrschenden Klischees zu tun haben.

Gängige Behauptungen über muslimische Parallelgesellschaften sind faktisch nicht haltbar. Entgegen der Meinungsmache rechter Populisten und deren Inszenierung in den Medien zeigen Befragungen und Studien - z.B. der aktuelle Religionsmonitor der Bertelsmannstiftung, dass es unter den muslimischen Einwandererinnen und Einwanderern eine hohe Zustimmung zu den gesellschaftlichen Grundwerten unserer Gesellschaft gibt und dass die meisten Muslime umfangreiche Kontakte zu Einheimischen pflegen.

Muslimische Frauen enga­gieren sich für diese Gesellschaft und für die Gleichstellung von Frauen. Karin Meißner stellt exemplarisch einige Frauen vor: die Stuttgar­terin Muhterem Aras, die seit 2011 zum zweiten Mal per Direktmandat für die Partei Die Grünen im baden-württembergischen Landtag ist, die Journalistin Kübra Gümüsay, die in ihrem Blog Ein Fremdwörterbuch, über Internet, Politik, Gesellschaft, Femi­nismus und Islam schreibt und dafür 2011 für den Grimme Online Award nominiert wurde, Lamya Kaddor, Islamwissenschaft­lerin, die in ihrem Buch Die Sache mit der Bratwurst sehr persönlich und humorvoll schreibt, was an den Klischees über muslimisches Leben in Deutschland dran ist oder die Comiczeichnerin Sofeina Hamed, von Beruf Psychologin, die unter der Signatur tuffix das Leben als Muslima in Deutschland thematisiert. Alle diese Frauen sind Muslima und Feministinnen.

Aber wie ist das mit dem Kopftuch? Muslima tragen das Kopftuch aus unterschiedlichen Gründen. Es können religiöse Gründe sein, es können Zugeständnisse an die Vorstellungen der Familie sein, es kann Protest gegen die Abwertung des Islam in unserer Gesellschaft sein, es kann Protest gegen den alltäglichen Sexismus in unserer Gesellschaft sein. Wir nehmen für uns ähnliche Haltungen in Anspruch ohne dass wir uns darüber Gedanken machen.

Den Islam als generell frauenfeindlich zu bezeichnen wird den Fakten nicht gerecht. Karin Meißner verweist darauf, dass Frauen auf der arabischen Halbinsel bereits im 7. Jh. als eigene Rechtspersönlichkeiten anerkannt wurden und u.a. ein Recht auf Wahl des Ehepartners, ein Recht auf Scheidung, ein Recht  auf eigenes Einkommen, auf Erbrecht, ein Recht auf Unterhalt durch den Ehemann, ein Recht auf Bildung, ein Recht auf Anteilnahme an öffentlicher Meinung, und sogar ein Recht auf sexuelle Erfüllung hatten.

Wer glaubt, dass das die Bibel im Unterschied zum Koran friedlich und frauenfreundlich ist, der kann sich in diesem kleinen Quiz versuchen: